Aut-idem ist lateinisch und bedeutet „oder das Gleiche“. Im Kontext der Arzneimittelversorgung taucht der Begriff oft im Zusammenhang mit weiteren Begriffen auf wie etwa „Kreuzchen“, „Original“, „Substitution“, „Generikum“, etc. Aber was hat es mit aut-idem genau auf sich?

Substitutionsverbot

Die ärztliche Therapiehoheit ist ein wichtiger Grundpfeiler in unserem Gesundheitssystem. Für ärztliche Verordnungen besteht daher in Apotheken gemäß § 17 Abs. 5 ApBetrO ein grundsätzliches Substitutionsverbot. Sollte der Arzt die Abgabe eines vergleichbaren Arzneimittels zulassen wollen, so müsste er dem Apotheker einen entsprechenden Hinweis geben (aut-idem; lat: „oder ein Gleiches“). Früher erfolgte dies tatsächlich durch ausdrückliche Erklärung i .S. d. Ankreuzens eines Feldes mit dem Namen „aut-idem“ auf den GKV-Rezepten. Im Verlaufe weiterer Gesundheitsreformen wurde hieraus allerdings eine Umkehrung der Erklärungspflicht. Will der Arzt nun einen Austausch verhindern, so muss er die vorgedruckten Felder „durchkreuzen“ und den Austausch somit aktiv verbieten (siehe unten). Daher galt für Privatrezepte lange ein absolutes Austauschverbot für die Apotheke, denn dort gibt es solche Felder zumeist nicht und der Arzt ist nur in der GKV zu dieser Erklärung verpflichtet.

Substitutionspflicht

Um die wirtschaftliche Versorgung in der GKV zu gewährleisten, sind Apotheken durch die Regelungen in § 129 SGB V sowie dem hier verankerten Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung an eine Abgabe von preisgünstigen Arzneimitteln gebunden. Diesem trägt auch  § 17 Abs. 5 ApBetrO im Rechnung, indem hier eben diese Ausnahmen vom Substitutionsverbot normiert werden. Die sozialrechtlichen Austauschpflichten sind damit verbindlich. Inzwischen ist eine aut-idem Abgabe zudem auch bei Privatpatienten möglich, wenn der Arzt dies nicht ausgeschlossen hat (was unwahrscheinlich ist; siehe oben) und der Patient dies wünscht.

Aut-idem Regel

Im Sozialrecht wird das Substitutionsverbot formal herumgedreht. Die Muster 16 Verordnungen (GKV-Rezepte) beinhalten vorgedruckte „aut-idem Felder“, die vom Arzt angekreuzt (sinngemäß „durchgestrichen“) werden können. Sofern der Arzt nicht tätig wird, ist in der GKV somit ein Austausch nach § 17 Abs. 5 ApBetrO gegen ein preisgünstiges Arzneimittel zulässig und wird nach § 129 SGB V zur Pflicht. Sollten Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 SGB V bestehen, so haben diese Vorrang. Anderenfalls drohen Retaxationen.

Austauschbedingungen

Welche Eigenschaften bzw. Gemeinsamkeiten Arzneimittel haben müssen, um als vergleichbar und damit austauschbar zu gelten, definiert ebenfalls § 129 SGB V.

  • identische Wirkstärke
  • vergleichbare Packungsgröße (gemäß Packungsgrößenkennzeichen; „N-Größe“)
  • mind. Zulassung für ein gleiches Anwendungsgebiet
  • gleiche oder eine austauschbare Darreichungsform (wird vom GBA festgelegt)

Steuerungswirkung

Die Aut-idem-Regelung ist, wie andere Steuerungsinstrumente auch, ein Kostendämpfungsmechanismus, welcher die Abgabe von Generika fördert. Diese Steuerungsinstrumente sollen die Arzneimittelkosten der GKV reduzieren ohne die Qualität der Versorgung zu beeinträchtigen. Obwohl oft Skepsis gegenüber den Generika herrscht, werden sie dennoch von der Mehrheit der Ärzte als gleichwertig anerkannt. Folgerichtig wird künftig auch eine Austauschverpflichtung für biotechnologisch hergestellte Arzneimittel eingeführt. Der Gesetzgeber hat die Weichen hierfür bereits gestellt.